Inhalt
Über das ZfMs
Bei dem 'Zentrum für Mittelalterstudien' handelt es sich um einen Zusammenschluß einer außergewöhnlichen Vielzahl mediävistisch ausgerichteter Fächer. Das Spektrum reicht von der allgemeinen Mittelalterlichen Geschichte - einschließlich der Historischen Hilfswissenschaften, der Kirchen-, Religions-, Rechts- und Wirtschaftsgeschichte - der Osteuropäischen Geschichte und Byzantinistik über die mittellateinische, deutsche, nordische, romanische, englische und slavische Philologie, ferner die Bau- und Kunstgeschichte, die Philosophie und die Medizingeschichte bis hin zur Judaistik, Orientalistik und Islamwissenschaft, erfaßt also Europa und außereuropäische Räume. Mit den verschiedenen methodologischen, historischen, sprach-, literatur- und kulturwissenschaftlichen Ansätzen der Fächer sind die denkbar besten Voraussetzungen für interdisziplinäre und vergleichende Forschungen gegeben. Darüber hinaus bietet die institutionelle Einbindung in den Exzellenzcluster "Media: Material Conditions and Cultural Practice" und in die zu errichtende Graduiertenschule "Wissen - Rezeption - Transkulturation" die Möglichkeit einer zusätzlichen Forschungsnähe und einer Anbindung an ein späteres Graduiertenstudium.
Hinzu kommen traditionsreiche, der Textedition und Forschung gewidmete Einrichtungen wie das Petrarca-Institut und das Thomas-Institut, das zudem seit mehr als einem halben Jahrhundert die internationalen und interdisziplinären Kölner Mediävistentagungen konzeptionell plant, ausrichtet und die Ergebnisse in seiner renommierten Reihe der 'Miscellanea Mediaevalia' publiziert. Editionen, Forschungsprojekte sowie die Betreuung von international bedeutenden Zeitschriften und Buchreihen sind jedoch gleichermaßen in den verschiedenen Fächern verankert. Eine mittelalterliche Ausrichtung besitzt ferner der Lehrstuhl für historisch-kulturwissenschaftliche Informationsverarbeitung, der unter anderem Methoden und Strategien für die digitale Aufbereitung mittelalterlicher handschriftlicher Codices entwickelt und entsprechende Digitalisierungsprojekte für bedeutende Bibliotheken wie etwa die Kölner Diözesan- und Dombibliothek oder die Stiftsbibliothek Sankt Gallen betreut. Daneben bilden Fragen der Dokumentenerschließung und -aufbereitung in einer digitalen kritischen Editorik und nicht zuletzt allgemeinere Arbeiten im Bereich der Organisation, Verarbeitung und Vermittlung von Wissen einen wichtigen Anknüpfungspunkt: hier ist vor allem an fachorientiertes Retrieval, spezielle Analyseverfahren oder mediävistische Multimediaproduktionen zu denken. Die Einzigartigkeit der historisch-kulturwissenschaftlichen Fachinformatik und ihre Anwendung auf mediävistischem Forschungsterrain bedeuten für die Kölner Mittelalterforschung ein weiteres Alleinstellungsmerkmal.
Innerhalb der Fakultät nimmt das Zentrum für Mittelalterstudien im Hinblick auf die mittelalterlichen Rezeptions- und Transformationsprozesse in einem europäischen Vermittlungszusammenhang eine auch gegenständliche Brückenfunktion zwischen den Zentren 'Altertum', 'Moderne' und 'Europa' ein. Außeruniversitäre Einrichtungen wie das Historische Archiv der Stadt Köln, das größte kommunale Archiv Deutschlands, das Historische Archiv des Erzbistums Köln sowie die bedeutenden kommunalen und kirchlichen Museen und Bibliotheken kooperieren mit den einzelnen Fächern und stehen den Studierenden offen. Die Kölner Mediävistik mit Fächern, die vielfach an anderen Universitäten nicht mehr bestehen, besitzt durch diese außeruniversitären Einrichtungen zusätzliche, insgesamt unvergleichliche Standortbedingungen. Diese Vorteile des Standorts und des breiten Fächerkanons schlagen sich in einer Vielzahl fachorganisatorischer, von Akademien und der DFG geförderter, fremdfinanzierter Forschungsprojekte, in der Einbindung der Mediävistik in ein Graduiertenkolleg, ferner in der Kooperation mit anderen Fakultäten und Universitäten, in der Beteiligung an interdisziplinären Forschungsverbünden, internationalen Tagungen und Publikationen sowie in der Konzeption und Veranstaltung internationaler Symposien nieder. Sie machen die Kölner mediävistischen Disziplinen in ihren internen Filiationen wie auch in ihrer Gesamtheit zu einem sichtbaren Zentrum der deutschen Forschungs- und Ausbildungslandschaft. Dank dieser günstigen Bedingungen ist das Zentrum in der Lage, einen fundierten und optional vielgestaltigen mediävistischen Masterstudiengang anzubieten, der durch den inneren Zusammenhang die Kapazitäten bündeln und konsekutiv in eine Graduiertenschule und ein Graduiertenkolleg münden soll.
